Im Rahmen des Zeus-Projektes haben wir Herrn Reinhard Schlagintweit, den Vorsitzenden der 
 UNICEF DEUTSCHLAND,
in die Schule eingeladen und u.a. auch ein Interview gemacht, dass in der WESTFALENPOST veröffentlicht wurde.


 
 
Viele Fragen an UNICEF-Vorsitzenden

Für eine bessere Zukunft der Kinder

Von den Klassen 8/9 der Lachsbachschule, Bad Laasphe.

 
Bad Laasphe. Reinhard Schlagintweit, Vorsitzender von UNICEF Deutschland, war im Rahmen des ZEUS-Projektes an die Lachsbach-Schule in Bad Laasphe gekommen. Wir hatten uns zuvor im Unterricht mit UNICEF, Kinderarbeit (die Klasse 1/5 hat es praktisch ausprobiert und Schuhe geputzt und Zeitungsbündel geschleppt), Kriegskindern und vielem mehr beschäftigt.

Es zeigte sich bei den Veranstaltungen, dass wir an Herrn Schlagintweit viele Fragen hatten. Leider können wir nur einen Teil davon aufschreiben, z. B. seine Erlebnisse in Afghanistan.
ZEUS: Wie lange und warum arbeiten sie für UNICEF?
Schlagintweit: Seit 1993. Ich bin froh, nach vielen Jahren der politischen Beschäftigung mit der Dritten Welt etwas für arme Kinder in diesen Ländern tun zu können.
ZEUS: Bekommen Sie Geld für die Arbeit?
Schlagintweit: Nein, die Arbeit ist, wie bei den 6 000 anderen freiwilligen Helfern von UNICEF, ehrenamtlich.
ZEUS: In wie vielen Ländern arbeitet UNICEF?
Schlagintweit: Es gibt 180 Länder auf der Welt. In 140 Ländern arbeitet UNICEF, da es den Kindern dort so schlecht geht, daß sie Hilfe brauchen.
ZEUS: Wofür benutzt UNICEF die Spendengelder?
Schlagintweit: Für Wasserpumpen, Kleidung, Essen, Decken, Betreuung von Waisenkindern, Arznei, Impfung, Schulunterricht, d. h. damit die Kinder gesund überleben können und eine bessere Zukunft haben.
ZEUS: Wie war Ihre Zeit in Afghanistan, als sie dort Diplomat waren?
Schlagintweit: Afghanistan war ein sehr armes Entwicklungsland. Die meisten Menschen - vor allem auf dem Land - konnten nicht lesen und schreiben. Es gab sehr wenige Krankenhäuser. Viele Babys und Kinder starben an Kinderkrankheiten. Alle Frauen waren tiefverschleiert.
ZEUS: Können Sie uns etwas über den Krieg in Afghanistan erzählen? 
Schlagintweit: Der Krieg dauert seit fast 20 Jahren und ist immer noch nicht zu Ende. Zehn Jahre lang half die Sowjetunion den afghanischen Kommunisten. Seitdem kämpfen Afghanen gegen Afghanen um die Macht.
Schüler: Unser Vater war auch in Afghanistan als Soldat, als wir noch in der Sowjetunion wohnten.
ZEUS: Wie sieht es heute in Afghanistan aus?
Schlagintweit: Zerbombte Häuser, keine Wasserleitungen, kein Strom, kein Heizmaterial, kaum medizinische Versorgung. Man sieht viele Kinder mit traurigen Gesichtern.

 

ZEUS: Wie erging es Ihnen, als Sie 1995 das Land besucht haben?
Schlagintweit: Ich war bedrückt, so viel Zerstörung und Armut zu sehen. Vor allem den Kindern geht es sehr schlecht.
ZEUS: Warum dürfen Frauen in Afghanistan nicht arbeiten und Mädchen nicht in die Schule gehen?
Schlagintweit: Das sind traditionelle Vorstellungen von der Rollenverteilung zwischen Männern und Frauen. Solche Traditionen leben häufig in Krisenzeiten wieder auf.ZEUS: Warum werden Häuser zerschossen?
Schlagintweit: Die Bürgerkriegspartei, die Kabul erobern wollte, dachte, dass sie den Widerstand der Stadt brechen könnte.
ZEUS: Woher haben die Leute das Geld für die Waffen? Durch den Anbau und Verkauf von Drogen.
ZEUS: Warum arbeiten Kinder überhaupt in vielen Ländern?
Schlagintweit: Die Eltern der Kinder verdienen oft nicht genug Geld, um Essen und Kleidung zu kaufen. Die Fabriken stellen lieber Kinder ein, da sie denen nicht so viel Lohn zahlen müssen. Viele Kinder sind auch Waisen.
ZEUS: Welche Arbeiten machen die Kinder?
Schlagintweit: Sehr viele verschiedene Arbeiten, die oft sehr hart sind und krank machen, wie z. B. Teppiche knüpfen, Steine schleppen, im Bergwerk arbeiten.
ZEUS: Warum holen Sie keine Kinder nach Deutschland, z. B. die verletzten?
Schlagintweit: Es gibt deutsche Organisationen, die verletzte Kinder nach Deutschland holen, damit sie operiert und geheilt werden können. Das gleiche machen Helfer in anderen europäischen Ländern, Wenn sie wieder- gesund sind, wollen die Kinder wieder zurück zu ihren Familien in Afghanistan.ZEUS: Haben die Kinder eine Zukunft?
Schlagintweit: Ja, aber meistens eine schwere. In vielen Teilen des Landes herrscht Frieden, aber auch große Armut. Trotzdem gibt es hier eine Zukunft für die Kinder. Schlechter sieht es in der Stadt und in den Flüchtlingslagern für die Kinder aus. Für sie beginnt eine aussichtsreiche Zukunft erst, wenn Frieden herrscht und das Land wieder aufgebaut werden kann.
ZEUS: Warum ist es so wichtig, daß die Kinder in die Schule gehen?
Schlagintweit: Wenn man nichts gelernt hat, kann man heute keinen befriedigenden Beruf ergreifen. Man kann nicht verstehen, was Gebrauchsanleitungen für Geräte einem sagen. Man kann Kosten nicht berechnen. Und man kann später seine Kinder nicht auf die Zukunft vorbereiten.
ZEUS: Vielen Dank, daß Sie gekommen sind und unsere Fragen beantwortet haben.